
(Frankreich 1968)
Dieses Spätwerk von Orson Welles entstand während einem anderem, erstmal gescheitertem Filmprojekt zur Finanzierung des selben[1] und Welles greift dazu mal wieder auf die Schauspielerin Jeanne Moreau zurück, immerhin war es ja ein Produktion für das französische Fernsehen. Der Stoff stammt von der dänischen Autorin Tanja Blixen und einmal wieder beschäftigt Welles die Korruption des Menschen durch Macht und Geld, wie in Citzen Kane und Mister Arkadin spielt Welles den alten reichen Mann, der glaubt er könne eine Phantasiewelt erschaffen, war es im Kane das Schloss Xanadu und die Transformation einer unbegabten Sängerin zur Operndiva und bei Arakdin die Auslöschung seiner eigenen kriminellen Vergangenheit, will er hier nur einen Mythos in eine Realität verwandeln und dabei noch eine alte Schuld begleichen.

Dem alten Mann Charles Clay (Orson Welles), ein Händler in Macao, wird von seinem Sekretär (Elishama Levinsky) die Geschichte des armen Matrosen erzählt, der zu Geld kommt in dem er einem reichen Mann beim Sex mit einer Frau zuschauen lässt, aber dem danach niemand glaubt, dass er tatsächlich so zu dem Geld gekommen ist. Nun auf Nachfrage erklärt ihm der Sekretär dass diese Geschichte wohl als Mythos zu betrachten ist, doch Clay will sie in Realität verwandeln. Er hat einmal einen Konkurrenten ruiniert und dessen Tochter Virginie (Jeanne Moreau) bietet jetzt ihren Körper auf dem Markt an. Ein armer Matrose (Norman Eshley) ist schnell gefunden und der könnte jetzt die Geschichte erzählen, doch er will nicht, dazu war ihm die Erfahrung doch zu persönlich. Der alte Clay stirbt noch am selben Tag[2] und Virginie und der Sekretär fragen sich, was denn das eigentlich genau gewesen sei. Ihr Leben geht weiter.
Da der Film fürs Fernsehen produziert wurde, ist ob des pikanten Inhaltes (Voyeurismus, Geschlechtsverkehr) eine sehr zurückhaltende Kamera im Einsatz, das Bett gewährt mit Schleiern und Mückennetzen ein absolutes Minimum an Anstand und Privatsphäre der beiden gegenüber dem Voyeur und dem Publikum, Welles bleibt auch sehr nahe am Text der Kurzgeschichte, es gibt sogar noch einen Erzähler (Fernando Ray). Norman Eshley, schlank und rank mit kräftigen blonden Haar, entspricht dem damaligen männlichen Schönheitsideal wie ein Terence Stamp oder Udo Kier, Jeanne Moreau zeigt bei weitem weniger Haut als in Malles Die Liebenden.

[1] Bei The Deep, ging dann erstmal endgültig das Geld aus, dann starb auch noch einer der Darsteller und dann ging auch noch ein Teil des Tones verloren. Eine Rekonstruktion von The Deep erstellt von Stefan Dösler existiert beim Filmmuseum München.
[2] Tod beim Koitus sei ja etwas völlig normales, heißt es, aber die meisten, die so etwas miterleben, ziehen sich und dem Toten wieder Schlafanzüge an – der blöden Fragen und des Anstandes wegen.

Imdb-Link: https://www.imdb.com/title/tt0063127/reference/
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