
(Deutschland 1937)
Karl Hartl dreht mal wieder einen Film mit Hans Albers, die anderen waren F.P.1 antwortet nicht und Gold, und diesmal hat er noch den beliebtesten deutschen Schauspieler für Komödien, Heinz Rühmann, mit dabei. Nun Hans Albers hat sein Heldentum in Abenteuerfilmen nie allzu ernst genommen, dazu war er zusehr ein Mann der Bühne, der in Revuen und Operetten zum Star geworden war. Beide Stars hatten sich mit den Nationalsozialisten arrangiert, obwohl der praktizierte Rassismus sie persönlich betraf, ein UFA-Vertrag ist eine Trennung wert. Jawohl meine Herrn, so haben wir das gern – und das ist eigentlich seit Rühmanns Autobiographie aus den 1970ern allgemein bekannt[1]. Nichtsdestotrotz wirken die beiden Stars hier zusammen und spielen zwei gescheiterte Detektive, die sich wie die literarischen Figuren Sir Arthur Conan Doyle kleiden, um so für Sherlock Holmes (Hans Albers) und Doktor Watson (Henz Rühmann) gehalten zu werden, man muss ja juristisch auf der sicheren Seite bleiben und das Hochstapel nicht in schriftlicher oder gesprochener Form durchführen.

Der Film macht uns von der ersten Sekunde klar, dass hier mit dem Schein vor dem Sein gearbeitet wird, wenn die Kredits im Vorspann auf den Titelbildern von Schundheften über Sherlock Holmes laufen und Heinz Rühmann seinen Filmpartner mit Moritz anredet und fragt, ob dieser diese Aktion wirklich durchführen möchte. Dem damaligen Filmpublikum war klar, wer denn den Moritz spiele, auch wenn diese noch gar nicht im Bilde zu sehen war. Mit ein bisschen Drängen kann man sogar noch den überfüllten Nachtexpress anhalten, der ist zwar so voll, dass man im Dienstabteil reisen muss, aber fast jeder im Zug ist der Illusion der beiden erlegen - die, denen der Name Sherlock Holmes nichts sagt, können ihr natürlich nicht erliegen, was aber nichts macht, wenn selbst die mitreisenden Kriminellen es allein vom Namen nach mit der Angst zu tun bekommen.
Kaum in Brüssel in einem Hotel abgestiegen, fliegt ihnen der erste Fall schon vor die Füße, und die Filmkomödie beginnt – einem deutschem Pimpf[2] ist aufgefallen, dass die in einer Ausstellung befindlichen Mauritius Briefmarken gefälscht sind und unsere beiden Helden sind nun im echten Einsatz. Allerdings beginnt sich neben einem einzelnem älterem Hotelgast auch ein paar der Kriminellen nun sicher zu sein, dass die beiden Hochstapler sind. Nichts desto Trotz finden die beiden dann nicht nur die echten Briefmarken und jeweils ein nettes Mädchen, sondern auch die Anerkennung dieses einzelnen Herren, den sie sehr amüsiert haben. Der sichert sich nämlich die Rechte an ihrer Geschichte.

Irgendwie ist es passend, dass Deutschlands beliebteste Schauspieler in dieser Komödie Hochstapler spielen, auf die alle hereinfallen und dennoch trotz Enttarnung davon kommen, stand doch an der Staatsspitze ein Schmiereinkomödiant, dem viel zu viele Wähler auf dem Leim gegangen sind – mit bekannten Folgen. Regisseur Karl Hartl hat das in seiner Heimat, dem 1938 angeschlossenem Österreich nicht sonderlich geschadet – mal sehen, wann sich jetzt ein aktivistischer Mob findet, der sich moralisch damit bürsten kann, festzustellen, dass auch er nicht durch die braune Scheiße des „1000-jährigen Reiches“ gehen konnte und dabei nicht nur sauber sondern rein geblieben zu sein. „Jawohl meine Herrn, so haben wir es gern“ ist wohl der bleibenste Eindruck dieses Films in die allgemeine Erinnerung.

[1] Warum das erst im November 2025 erst dem deutschen Filminstitut aufgefallen ist und ihm eine vor Jahrzehnten verliehene Ehrenmedaille aus politischen Gründen wieder aberkannte, hat nicht nur den Haut gout der Leichensynode, sondern ist ein Rückfall in die Politik des Dritten Reiches. Quod scripsi scipsi heißt es schon in der Bibel, aber das waren ja Juden. Ja, diese Fußnote trieft von Polemik, aber anders kann man die kunstverachtende Politik der heutigen populistischen Gesellschaft nicht kommentieren.
[2] Anders kann man diesen vorlauten Jungen nicht bezeichnen, der in der Tradition des blinden Passagiers aus Fritz Langs Frau im Mond steht. Eine Trope aus dem klassischem Jugendbuch.

Imdb-Link: https://www.imdb.com/title/tt0029210/reference/
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