
(USA 1934)
Dieser Film ist der letzte Wheeler und Woolsey Film, der vor dem Inkrafttreten des Hayes-Codes gedreht wurde, aber irgendwie merkt man das gar nicht von der Optik her. Waren in ihrem letzten Film Hips, Hips, Hooray die für eine aus der Broadwayrevue stammende Chorusline nur noch mit dem absolut notwendigsten[1] gekleidet, konnte man in diesem Film auf Kostüme aus dem 16. Jahrhundert zurückgreifen. Optisch greift für diesen Film schon der Hayes-Code, doch vom Inhalt her ist er noch ein reiner Pre-Code-Film, geht es doch über Zwangsheiraten und eheliche Untreue – die perfekte Basis für eine Komödie. Laurel und Hardy nahmen sich unter der Ägide ihres Studios einer französischen komischen Oper der 1830er mit Fra Diavolo an, so zog Mark Sandrichfür RKO mit diesem Film über das vorcromwellsche alte England nach.
Beide Filme verbindet die gleiche Hauptdarstellerin Thelma Todd, in beiden Filmen spielt sie die Adelige, aber hier wird sie nicht beraubt, hier versucht sie sich irgendwie aus ihrer Ehe zu befreien, waren Laurel und Hardy die dümmlichen Komplizen des Räubers, sind Wheeler und Woolsey hier zwei hochstapelnde Kleinkriminelle, die sich nach der ersten Befreiung aus dem Pranger gleich wieder in ihr nächstes Abenteuer stürzen, Woolsey gibt sich nach Ergaunerung eine Arzttasche gleich als solcher aus und irgendwie schlägt seine Kur gegen Schlaflosigkeit bei dem Patienten an, zu dem sie ihr Befreier aus dem Pranger dann indirekt geleitet hat. Nun, dieser Junge hat auch sein Geheimnis, denn eigentlich ist er ein Mädchen, das ihren Verlobten zur Begleichung einer Familienschuld nicht heiraten möchte, und da diese Figur von der üblichen dritten Person dieses Komikerduos Dorothy Lee gespielt wurde, ist auch klar, dass der Verlobte in dieser Hinsicht leer ausgeht.

Unser an Schlaflosigkeit leidender Patient ins ein Baron (Noah Berry), dessen Land von einem wilden Eber verwüstet wird, den er lieber jagt als seiner Gattin (Thelma Todd) beizuwohnen. Entsprechend macht sie dem falschen Arzt Augen. Wheeler and Woolsey gelingt es natürlich auf ihre chaotisch komische Weise den Eber zur Strecke zu bringen und mit der Belohnung kann die Familienschuld beglichen werden – ja, da verkaufte einer seine Braut – und der falsche Arzt überlegt ob denn der Baron auch (ungedeckte) Schecks akzeptiert.
Hatten wir in Peach of Reno den Fall, das Bert Wheeler eine knappe halbe Stunde in Frauenkleider als Scheidungsgrund im Nachtclub saß, ist es hier Dorothy Lee, die sich wie Lilo Pulver in Das Wirtshaus im Spessart durch den Film agiert, bis Bert Wheeler endlich merkt mit wem er da das Gesindezimmer teilt. Ein Wheeler-und-Woolsey-Film ohne Musik ist nicht vorstellbar und wie auch bei Fra Diavolo ist der Gegenspieler mit einem Sänger besetzt. Zwar ist Noah Berry kein Tenor wie Walter Woolf King in Fra Diavolo, doch hat auch er entsprechende Bühnen- und Filmerfahrung, man denke nur an die Filmoperette Golden Dawn. Hier ist seine große Nummer der abendliche Rundgesang über die Jagd nach dem großen bösen Wolf And the big bad Wulf was dead.

Für Mark Sandrich war das bereits die dritte Zusammenarbeit mit den beiden Komikern, dieser Film entstand direkt nach Hips, Hips Hooray und direkt vor The Gay Divorcee, dem Film mit dem er in Deutschland wohl mit am bekanntesten[2] ist.
Der Stadtschreier am Anfang ist eine kleine Reminiszenz and den damaligen Ehemann von Dorothy Lee, den Kolumnisten Jimmie Fiedler.
Die Szene in der Wheeler und Woolsey mit Speeren auf den Eber losgehen wurde durch Scharfschützen aus dem Kameraoff gesichert, der Film wurde mit gut 40 anderen als Reiseunterhaltung auf die Sommerkreuzfahrt des Präsidenten Franklin D. Roosevelt im Juli und August durch die Karibik mit geführt.

[1] Ein Gagschreiber brachte 10 Jahre später die Beschreibung eines wirklich knappen, trägerlosen, rückenfreien, tief ausgeschnittenem Abendkleid, dass nicht mehr von den Gesetzen Kaliforniens an der Figur gehalten wird in einer Radiosendung für die Amerikanischen Streitkräfte als deutlichen Kommentar zum Hayes-Code. In den USA durfte eine derartige Anspielung natürlich nicht gesendet werden, das hätte Ärger mit den Sponsoren geben können.
[2] Die Astaire-Rogers Filme Top Hat, Follow the Fleet und Shall we Dance sind auch von ihm.

Imdb-Link: https://www.imdb.com/title/tt0063127/reference/
Die Indexierung befindet sich hier:
https://verfuehrungzumfilm.wixsite.com/exkursionen/post/cockeyed-cavaliers