Turksib

(UdSSR 1929) 

1880 zum 25. Jahrestag der Regieung Zar Alexander II. schrieb der Komponist Alexander Borodin seine Steppenskizze aus Mittelasien. Alexander II hatte Turkmenistan seinem Reiche einverleibt, aber mehr als Steppenbewohner gab es da eigentlich nicht. Nach der Oktoberrevolution und dem russischem Bürgerkrieg hatte sich da eigentlich noch nichts verändert, allerdings gab es schon in der Zarenzeit Pläne dieses Gebiet mit einer Eisenbahn verkehrstechnisch zu erschließen, immerhin hatte das dem mittleren Westen der USA auch geholfen. Doch erst nach dem Ende des sowjetischen Bürgerkriegs unter Stalin wurde eine Eisenbahn gebaut, da man die Steppenbevölkerung auch als ordentliche sowjetische Bürger in den Aufbau des Kommunismus integrieren wollte, schließlich konnte man ja mit genügend Menschenmaterialeinsatz auch die Steppe bewässert werden und der Boden zum Anbau von Baumwolle verwendet werden, was wiederum dafür sorgte, dass man auf den bisherigen Anbauflächen Getreide angebaut werden konnte[1].
Derartige Großprojekte müssen natürlich auch beworben werden, und darin waren die sowjetischen Filmschaffenden, bevor sie stalinistischen Säuberungen zum Opfer fielen, sehr gut.

Nach einem erklärendem Titel zeigt uns der Film zuerst Maschinen, die Baumwollstoff produzieren, dann Menschen, die auf Wolken wartend trockne Felder bestellen. Eigentlich gibt es Produkte wie Wolle und etwas Getreide in den zentralasiatischen Gebieten der Sowjetunion, aber Kamel- und Pferdekarawanen sind nicht das geeignete Transportmittel, wenn man ihnen Bilder von Dampfern in den Häfen gegenüberstellt. Der Film zeigt uns, wie die Eisenbahn Sibirien erschlossen hat, Getreide und Holz können mit ihr relativ einfach transportiert werden, aber für das südlich gelegene Turkmenistan an den Nordwesthängen des Himalaja war bislang so nicht erreichbar.
Aber natürlich kann nichts den sowjetischen Fortschritt aufhalten, Landvermesser zwischen Jurten ermöglichen eine Eisenbahnstrecke zwischen Semipalatinsk, Alma-Ata (Almaty) und Lugovaia über 1400 Kilometer, der sowjetische Staat führt seinen Krieg gegen Primitivität erfolgreich und am Ende sieht man die Maschinen vom Anfang wieder, aber jetzt sind sie mit Höchstgeschwindigkeit am Laufen um das Plansoll zu erfüllen. 

Wenn man den klassischen Western als die Zivilisierung des roten Mannes durch den Weißen ließt, dann ist dieser Film im Prinzip die Umsetzung der selben Narrative auf sowjetische Verhältnisse, Lyndon B. Johnson sprach, um den Vietnamkrieg zu rechtfertigen, dass man ein Texas am Mekong schaffen müsse, nun hier wird das gleiche beschworen, der Schafzüchter muss zum Industriearbeiter gemacht werden, und wir wissen heute, dass dazu natürlich auch der KGB-Vorgänger NKWD gehörte. 

Wie alle sowjetischen Filme dieser Zeit war dieser auch ein Propagandamittel im feindlichen Ausland, und als solches ziemlich erfolgreich, doch die meisten, die in die UdSSR reisen durften, bekamen entweder nur potemkinsche Dörfer gezeigt und waren beeindruckt, oder von den Realitäten für die Menschen geschockt. Technisch ist die Methode des Einhämmern der Argumente in den Kopf des Betrachters sehr gut gemacht, welche Ästhetik Spindeln entwickeln können, zeigte dann wieder Alexandrow mit seinem Strahlendem Pfad.

[1] An ökologische Probleme hat man auch in der sojetischen Gesellschaft nie gedacht, da der Arbeiter in der Kolchose ja im Gegensatz zum Bauer erst recht seinem Boden enfremdet war, fiel natürlich eine Degradation des Feldfruchtertrages nicht als Anreiz zur Umstellungen der Anbaupraktiken auf. Nicht, dass das in einer kommerzialisierten Agraindustrie besser gewesen wäre, wie es sich in Oklahoma zur gleichen Zeit abzuzeichnen begann.


IMDB-Link: https://www.imdb.com/title/tt0020523/reference/ 

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