Ninì Tirabusciò, la donna che inventò la mossa

(Italien 1970)

Monica Vitti war nicht nur für ihre Arbeit in den Klassikern des europäischen Autorenfilms wie den Werken von Michelangelo Antonioni berühmt, sie war auch in Italien eine gefragte Darstellerin in Filmkomödien, hatte ihre Filmkarriere doch als Synchronsprecherin für andere, in vokaler Hinsicht minderbegabte Kolleginnen[1] begonnen, ihre Bühnenerfahrung war da in mehrfacher Hinsicht nützlich. Dieser Film von Regisseur Marcello Fondato, der sogar 1971 bei der Berlinale eingereicht wurde, ist ein Beispiel hierfür, er ist heute kaum aufzutreiben und es gibt anscheinend nicht einmal Untertitel.

Monica Vitti spielt eine italienische Schauspielerin des frühen 20. Jahrhunderts – der Film beginnt nach der Ermordung König Umberto I im Sommer 1900 - die aufgrund verschiedener Dinge in die Augen der Justiz gerät und dabei immer wieder mit bisweilen hochgestellten Personen mehr oder weniger humorvolle Begegnungen hat, manche sind auch ein bisschen gefährlich, sei es ein Verstecken vor der Polizei in dem Kasten, den ein Bühnenzauberer für eine Verschwindenummer mit scharfen Klingen braucht, sei es eine Nacht mit einem suizidalen Offizier, der nicht allein aus dem Leben scheiden will. 

Aber das interessanteste in diesem Film dürfte das Aufgreifen eines Mythos sein, der die Männerwelt schon seit langen Zeiten beschäftigt – das Säbelduell unter Frauen. Bereits Händel hatte das in seiner Oper Partenope verwendet und entsprechende Gerüchte über derartige Ereignisse gibt es aus ganz Europa, aber die hätten, so heißt es immer, nie in der Stadt stattgefunden, wo das Gerücht aufgekommen war. Es findet sich zwar in der damals zeitgenössischen Presse die Behauptung, eine Wiener Gräfin habe sich mit einer Standesgenossin in Liechtenstein geschlagen, aber die Fürsten von Liechtenstein residierten nicht in Vaduz, sondern in Wien und so einfach war das Fürstentum jetzt auch nicht zu erreichen. Man kennt zwar auch in der Verbindungsszene das Gerücht einer schlagenden Damenverbindung[2], aber ich kenne niemanden, der schon bei einem solchen Bund ein freundliches Helles getrunken hat. 

Hier im Film, wird aber das klassische Model eines solchen Händels durch dekliniert, von der Wahl der Waffen, den Sekundanten, dem bereitstehenden Fechtarzt, das Duell geht nur bis zum ersten Blut, dem Sicherstellen der Abwesenheit etwaiger ungeladener Zeugen, dem Nichteingreifen der versteckt anwesenden Staatsmacht und dem Feststellen, dass frau mit freiem Oberkörper beweglicher ist. Und ja, lange Haare haben einen Vorteil, entsprechend sieht man nur die Brüste der Gegnerin Sylva Koscina, die bei weiten weniger Probleme damit hatte, vor der Kamera viel Haut zu zeigen als Monica Vitti.Und nein, natürlich wird die Szene nicht zu einer Referenz an Lady Snowblood, ein Kratzer ist ja noch einer Komödie angmessen.

Wie Erotik um diese Zeit für die höheren Stände wirklich ausgesehen hat, kann man in den Kurzfilmen der Wiener Saturn Film wie Das eitle Stubenmädchen nachvollziehen, denn an Schnitzlers Reigen kommt dieser nicht an.


[1] Das, was in Singing in the Rain geschildert war, war für die italienische Filmindustrie gängige Praxis.

[2] Der Hysteria Wien würde ich einen derartigen performativen Akt als Protest gegen die doch recht deutliche Rechtslastigkeit der österreichischen Mitglieder der Deutschen Burschenschaft zwar zutrauen, aber man schlägt sich nicht im eigenem Bund.

IMDB-Link: https://www.imdb.com/title/tt0066152/reference/

Die Indexierung befindet sich hier: https://verfuehrungzumfilm.wixsite.com/exkursionen/post/nini

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