Nightworld

(USA 1932)

Die 1930er waren in den USA eine wilde Zeit. Eine schwachsinnige Drogenpolitik zur Hebung der öffentlichen Moral stärkte das organisierte Verbrechen und dann sorgte zusätzlich noch die Weltwirtschaftskrise für eine zusätzliche Verelendung. Für den Film war das natürlich praktisch, denn dieser Hintergrund lieferte einen erstklassigen Hintergrund für Drehbücher. Vicki Baum hatte 1929 ihren Roman Menschen im Hotel veröffentlicht, der in diesem Jahr später auch noch von MGM in die Kinos gebracht werden sollte, und ihre Idee einen Ort als Basis verschiedener einzelner Geschichten zu verwenden, diente auch diesem Film als Grundidee.

 Night World ist ein Nachtclub, in dem sich verschiedene Menschen aus den verschiedensten Gründen begegnen und dies nicht unbedingt überleben. Da ist der versoffene depressive Millionenerbe (Lew Ayres), dessen Mutter (Hedda Hopper), die ihren untreuen Gatten erschossen hat, aber vom Mordvorwurf freigesprochen wurde, der Türsteher (Clarence Muse), dessen Frau sterbend im Krankenhaus liegt, die Geliebte (Dorothy Peterson) des erschossenen Millionärs, der Nachtclubbesitzer (Boris Karloff), dessen Gattin (Dorothy Revier) die eine Affaire mit dem Choreographen (Russell Hopton) hat, und natürlich noch das Chorusgirl (Mae Clarke), dass sich dem depressiven Millionenerben annimmt, nach dem dieser wegen ungebührlichen Betragens vom Nachtclubbesitzer niedergeschlagen wurde. Dass noch ein Gangster seinen Alkohol alleinig in dem Nachtclub ausgeschenkt haben möchte, führt zu einem entsprechendem Bodycount, da der Polizist (Robert Emmett O'Connor) am Ende dann doch noch den Enforcer (George Raft) erschießt. Ob die beiden Stars des Films, Lew Ayres und Mae Clarke am Ende wirklich noch ihre Hochzeitsreise nach Bali antreten können und nicht wegen Verstößen gegen die Prohibition noch vor Gericht landen bleibt offen. 

Regisseur Hobart Hanley hat da ziemlich viel in die knappe Stunde eines B-Films gepackt, Melodram, Gangsterfilm und noch ein bischen Musical, denn ein Chorusgirl braucht auch noch eine Beschäftigung, die über den Teil eines griechischen Chores hinausgeht. Und da ein Kostüm, vermutlich aus dem Studiofunds[1] ein bischen wenig an Behauptung ist, hat man für die kurze Floorshow des Nachtclubs auch noch einen leicht unterbeschäftigten Choreographen, Musicals standen zu diesem Zeitpunkt nicht sonderlich hoch in der Publikumsgunst, verpflichtet , Busby Berkeley. Und der lieferte eine nette kleine Nummer bei. Allerdings hatte er da mit dem üblichen Problem zu kämpfen, dass diese Nummern immer als Hintergrund der Handlung verwendet wurden, da die einzelnen Chorusgirls die Exposition über den Millionenerben liefern müssen und so die Dialogzeilen zwischen ihnen handlungstragend sind. Man sieht alle Elemente, die eine typische Busby-Berkeley-Nummer ausmachen ohne die großen zirkularen Strukturen, aber das Herausgreifen kleinerer Gruppen aus der größeren Linie und Fahrten zwischen den Beinen, wobei er hier genau weiß, was er tut, wenn eine der Kamerafahrten auf einem wirklich glücklichen Gast endet, eine kleine Vorwegnahme des Endes, denn der Star, der den Namen „Happy“ in dem Film trägt, wird die Leinwand mit den Füßen voran verlassen. Busby Berkeley hatte zwei Jahre später mal wieder die Chance die Nummern für einen Nachtclub in einem wiederum nach diesem betitelten  Film zu choreographieren, aber bei Wonder Bar hatte er kaum finanzielle Beschränkungen. Universal hatte ja seine Tonfilmmusicals mit Broadway ähnlich luxuriös begonnen, bevor es dann seine spezielle Nische in Horrorfilmen wie Dracula undFrankenstein gefunden hatte. In letzterem waren die beiden Stars Boris Karloff und Mae Clarke ja schon gemeinsam aufgetreten.

[1] Es dürfte aus der Dancing Feet Nummer aus King of Jazz stammen.

IMdB-Link:
https://www.imdb.com/title/tt0023271/reference/

Die Indexierung befindet sich hier: https://verfuehrungzumfilm.wixsite.com/exkursionen/post/nightworld


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