Drei Gesichter einer Frau

(Italien 1965) 

Was macht man mit einer echten Prinzessin, die sich vor ein paar Jahren von ihrem Mann aus dynastischen Gründen hat scheiden lassen und deren Filmprojekt mit einem der ganz großen Produzenten sich dann doch zerschlagen hat? Dino de Laurentiis fand diese Lösung, man produziere einen Film genau über dieses Problem. Drei Episoden, bei denen Soraya, die vormalige Gattin des letzten Shahs von Persien, im Mittelpunkt steht und man lasse drei verschiedene Regisseure jeweils walten.

 Nummer eins war Michelangelo Antonioni, der erstmal den Coup illustrierte, wie man denn überhaupt eine solche Berühmtheit ungesehen für Probeaufnahmen in das große Filmstudio bekommt, was schon fast mit dokumentratischer Genauigkeit, ein wenig an seinen Erstling Chronik einer Liebe erinnert, bevor es dann zu einem telephonischen Interview (in englischer Sprache) mit Soraya kommt, in dem dann auch ganz journalistisch die große Frage nach dem Warum gestellt wird und sie sich darüber ausläßt, was denn der Unterschied zwischen einem Mitglied eines herrschenden Hauses, eines Stars und einer Schauspielerin sei. 

Wie es für Antonioni typisch ist, beherrschen gerade geometrische Linien das Bild, wenn sich nicht Straßen durch die Nacht mit ihren Kurven unterbrechen; fast labyrinthisch ist der Weg zum Telephon für den Interviewer durch die runden Plexiglaswände, die wir in der Draufsicht sehen, bei mir löst das Assoziationen mit dem Werk von Borges aus. Da die Idee einer dokumentarischen Fiktion besteht, spielen sich die Filmleute selber, der Dino de Laurentiis, den wir hier auf der Leinwand steht, ist der echte Filmproduzent, der Richard Harris, mit dem Soraya einen Screentest dreht, ist der echte Schauspieler Richard Harris. Es bleibt die Frage, wer denn die Soraya ist, hinter der die Presse herjagt, eine deutsch-iranische Diplomatentochter, die ehemalige Königin von Persien, eine Projektionsfläche für Wünsche und Träume der europäischen Mittelklasse oder doch nur eine verängstigte Frau, die sich von allen Seiten verfolgt fühlt? Antonioni stellte diese Frage nach dem Wer-ist man ein paar Jahre ganz bewusst in den Mittelpunkt seines Filmes Identifikation einer Frau

Dino De Laurentiis wollte einen Soraya als Star in einem Historienfilm, aber dieses Projekt zerschlug sich, anstelle dessem entstand dieser Epsisodenfilm, in dem neben Antonioni auch noch Mauro Bolognini und Farnco Indovia Regie führten, etwas was in den 1960ern nicht ungewöhnlich war, man denke nur an RoGoPag undAußergewöhnliche Erzählungen, wo jede der einzelnen Episoden die individuelle Handschrift der jeweiliegn Regisseure trägt. Die beiden anderen Episoden hier, die berühmten Liebenden und der Latin Lover, kommen stilistisch nicht an die von Antonioni heran, für Soraya bleub es der einzige Ausflug als Schauspielerin vor die Kamera, sie beschhränkte sich danach auf die Rolle einer Berühmtheit des Jet Set. Eine deutschsprachige orientalische Prinzessin war ein Alleinstellungsmerkmal, was immer für Schlagzeilen gut war, was uns auch die beiden Presseleute in der ersten Episode demonstrieren – zuweit sind die beiden nicht von Marcello Mastroiani und seinem Paperazo aus Fellini's Dolce Vita nicht entfernt.

IMdB-Link:
https://www.imdb.com/title/tt0058681/reference/


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