Der Sommernachtstraum

(UK 1969) 

Shakespeare geht immer und das Vereinigte Königreich hat den großen Vorteil, dass alle seinen großen Bühnenschauspieler regelmäßig in seinen Werken brillieren, warum nicht auch einmal eine der großen Bühneninszenierungen der Royal Shakespeare Company auf die Leinwand bringen? Nun, Max Reinhard[1] hatte das ja schon 1935 in Hollywood versucht, und jetzt im Jahre 1968 könne man dies wiederum versuchen, der Leiter der Royal Shakespeare Company Peter Hall hatte eine eingespielte Truppe bei der Hand und führte auch selbst Regie in einer relativ naturalistischen Inszenierung, die im absoluten Kontrast zur nächsten Bühnenproduktion durch Peter Brook stehen sollte. Mit einer Besetzung mit Helen Mirren als Hermia, Diana Rigg als Helena, Judi Dench als Titania und Ian Holm als Puck konnte er wirkliche Schwergewichte der englischen Schauspielkunst zum Einsatz bringen. Dennoch bleibt der Film verfilmtes Theater, die Dialoge der Schauspieler sind eigentlich immer in einer festen Szene gesetzt, auch wenn diese mit Handkamera (für die Kamera war Peter Suschitzky zuständig) gefilmt wurden, blieben sie doch als klassische Theaterszenen erkennbar. 

Allerdings dann, wenn die unsichtbare Welt der Elfen für uns sichtbar wird, dann wird es doch Filmisch, die Elfen, alle in Greenface, gekleidet in artifiziellen Kostüme verschwinden und erscheinen in den Einstellungen, ganz in der Tradition eines Melies, dazu klingt eine mystische traditionelle Musik und bilden so einen totalen Kontrast zu den höfischen Szenen am Athener Hof. Leider entwickeln die männlichen Bühnenstars David Warner als Lysander und Michael Jayston (Demetrius) in dem Liebesviereck nicht die Magie wie ihre weiblichen Partnerinnen und wenn man böse ist, kann man feststellen dass John Hannah in der 2016er Version interessanter war. Dadurch, dass die Handwerker sich die Kostüme für ihre Pyramus und Thisbe Inszenierung aus der Natur holen, stehen sie irgendwie auch so zwischen den beiden Welten, was natürlich auch durch die magische Verwandlung des führenden Schmierenkomödianten in einen Esel betont[2] wird. Hall sah die Royal Shakespeare Company auch als große Familie, in der auch Verwandte mitwirken konnten, so spielten die Nichten von Judi Dench auch zwei der kleinen Elfen aus Titanias Hofstaat.

[1] Als Tonfilm, als Stummfilm gab es auch schon frühere Fassungen, darunter auch eine deutsche von 1925 mit Werner Kraus,Alexander Granach und Hans Albers. 

[2] Was natürlich einen bösen Kommentar auf den Starkult ergibt, über den sich Diana Rigg regelmäßig beschwert hat.



IMDB-Link:  https://www.imdb.com/title/tt0063297/reference/


Die Indexierung befindet sich hier: https://verfuehrungzumfilm.wixsite.com/exkursionen/post/ein-sommernachtstraum-2

DIESE WEBSEITE WURDE MIT ERSTELLT