
(USA 1934)
Die Karibik mit ihrer aus Afrika stammenden, die originäre fast völlig ersetzenden Bevölkerung war den eher protestantischen USA immer ein wenig unheimlich – sprach man doch auf den meisten Inseln seitens der plantagenbesitzenden Oberschicht doch eher auch noch eine romanische Sprache. Zwar hatte es vor dem Bürgerkrieg seitens der Sklavenstaaten des Südens durchaus Bestrebungen gegeben ein eigenes Kolonialreich – Zuckerrohr war ähnlich arbeitsintensiv wie Baumwolle, aber der Süden der USA war klimatisch schlechter für dieses geeignet als die tropischen Inseln der Karibik – doch die Niederlage des Konföderierten Staaten von Amerika beendeten derartige Gedankenspiele für die nächsten Jahrzehnte. Nichtsdestotrotz erwarben sich Industrielle Plantagen in diesem Gebiet. Die auf diesen beschäftigten Arbeitskräfte waren größtenteils Nachkommen von Sklaven, die als Verbrauchsgüter aus ihrer Heimat dorthin verschleppt worden waren und ihrer Vernichtung durch Arbeit wenigstens ihre eigene Kultur entgegensetzen wollten – Gesänge, Tänze und Religion. Genau die Sachen, die man am schwersten kontrollieren kann. Schwarzafrika war schon immer für den weißen Westen – die USA sehen sich ja als Teil der europäischen Kultur, oder gar als idealisierte „Verfeinerung“[1] – eine Projektionsfläche unterbewusster Ängste, man denke nur an Joseph Conrad oder Edgar Rice Burroughs, die die Erforschung dieses Kontinents durch den europäischen Entdecker kulturell flankierten.

Dieser Film beginnt in New York, als die junge Mutter Juanita Lane (Dorothy Burgess) für ihre kleine Tochter Nancy (Cora Sue Collins) eine Trommel schlägt und zwar nicht in ihrer Heimat, sondern in New York. Wir erfahren, dass sie ihr Onkel einst nach New York geschickt hat, als bei einem Arbeiteraufstand ihre Eltern erschlagen worden sind und sie wohl selbst nur deshalb überlebt hat, weil sie in den örtlichen Voodookult involviert war. Ihr Gatte Stephen (Jack Holt) möchte die Plantage in nächster Zeit besichtigen, und sie will trotz Warnungen von Freunden und Verwandten unbedingt mit, weswegen er seine Sekretärin Gail (Fay Wray) unbedingt als weißes Kindermädchen dabei haben möchte. Vor Ort herrscht eine seltsame Stimmung, alle Weißen spüren, dass da eine besondere Bedrohung in der Luft liegt und der Sprecher der schwarzen Arbeiterschaft führt sich gegenüber allen Weißen, außer Juanita ungebührlich auf. Stephen ist auf einer Besichtigungstour durch andere karibische Besitzungen, als er von ihrem Onkel ob ihres ungewöhnlichen Verhaltens auch ihrer Tochter gegenüber zurückgerufen wird, was prompt zur Ermordung des Funkers führt. Stephen kehrt zurück, in Begleitung des Afroamerikaners Lunch (Clarence Muse) dem absolut nicht gefällt, was die örtliche Bevölkerung mit seiner Freundin (Theresa Harris) vorhat. Stephen kann gerade noch verhindern, dass diese geopfert wird, doch ihm ist jetzt klar, dass alle Weißen hier in Lebensgefahr sind. In der nächsten Nacht will man das Feld räumen, doch Juanita entflieht mit Nancy zu den Voodooanhängern. Stephen weiß ja, wo die ihren Tempel haben, und tatsächlich, Juanita führt den Tanz an und es ist offensichtlich, dass sie nun ihre eigene Tochter dem Kult opfern will und er erschießt sie um mit seiner Tochter zu fliehen. In Gail hat er wohl eine gute Stiefmutter für Nancy gefunden.

Dass dieser Film, wie auch der im Hearst-Cosmopolitan veröffentlichte Vorlageroman von Clemens Ripley hat ein Rassismusproblem. Der Motion Picture Hearld warnte bereits 1934, dass dieser Film in überwiegend von Schwarzen bewohnten Gebieten wegen der Darstellung der „blutdürstigen Anhänger schwarzer Götter“ es durchaus zu Problemen kommen könne, aber der Stoff bewegt sich in harmloseren Gewässern als H.P. Lovecraft mit seinem Cthulhus Ruf in dem er deutlich macht, dass die schwarzen Voodooanhänger definitiv nicht für alle stehen – der Rassismus Hollywoods schlägt zu, dass Theresa Harris mal wieder nicht in Vor- und Abspann genannt wird[2] – und der Hauptbösewicht des Films überraschender Weise sogar die Hauptdarstellerin ist. Eine klassische Konstellation, zwei Frauen kämpfen um einen Mann und eigentlich gibt auch die Sekretärin in ihrer ersten Szene alle Ansprüche auf ihren Chef auf und will kündigen, doch er bittet sie auf seine Frau und ihre gemeinsame Tochter aufzupassen. Eigentlich ist sie die andere Frau, die im Normalfall die Ehekrise auslöst, der klassische Stoff einer Hollywood-Komödie wie Die schreckliche Wahrheit, nur um ein Beispiel einer anderen Variation dieses Grundthemas zu nennen, doch hier wird die Gattin zum Fremdkörper mit ihrer Transformation in das kulturell andere, was eine sofortige finale Trennung (.45er) unumgänglich macht. Die weiße Schwarze, das war ein Thema, das in Hollywood nichts unbekanntes war – Edwina Booth spielte die weiße Göttin eines Stammes in Trader Horn, Vivienne Segal hatte eine ähnliche Funktion in dem Musical Golden Dawn und diese Trope wurde auch von Wheeler and Woolsey in So this is Africa parodiert.

Clarence Muse Rolle als örtlicher Sidekick für unseren Helden nahm dann auch Ian Flemming und Terence Young in James Bond 007 jagt Doktor No (Vorlage und Film) als Vorbild[3] und in James Bond 007 – Leben und Sterben lassen dreht dann Guy Hamilton den stereotypen Rassismus auf 11. Vielleicht haben hier Regisseur Roy William Neill und Drehbuchautor Wells Root bemerkt, dass die Ursachen dieser Massaker nicht nur an der schwarzen Hautfarbe liegt.Die mir vorliegende Kopie (Kamera Joseph August) war streckenweise viragiert, was den nächtlichen Szenen zu gute kam. Seine Bildgebung bringt das der Geschichte inherente Grauen über die Abgründe religiösen Wahns und der dadurch verursachten Gehirnwäsche zur Geltung.

[1] Man denke an den Teil der MAGA-Bewegung mit ihrer strikten Ablehnung hispanischer Migranten, die der „Aryian Nation“ und des KuKlux-Klan nahe steht, auf der einen Seite und der missverstanden Frankfurter Schule und des Postmodernismus, wie er sich zur Zeit als Mode an den Colleges als wiederaufflammender Antisemitismus manifestiert.
[2] Sie war eine der wenigen schwarzen Schauspielerinnen dieser Zeit, die man den großen weißen Stars an die Seite stellte, sei es Barbara Stanwayk in Baby Face oder Ginger Rogers inProfessional Sweetheart. Und dem Horrorfilm entkam sie auch nicht, Val Lewton brauchte sie für I walked with a Zombie.
[3] Gut, man könnte es auch auf den afrikanischen Heldenbegleiter eins H.Ridder Haggard in She und König Salomons Diamanten zurückführen.

IMDB-Link:
https://www.imdb.com/title/tt0024895/reference/
Die Indexierung befindet sich hier: https://verfuehrungzumfilm.wixsite.com/exkursionen/post/black-moon