Sucker Punch

(USA 2011) 

Regisseur Zack Snyder hat sich durch Comic-Verfilmungen einen Namen gemacht, man Denke nur an 300 oder The Watchmen, doch dazwischen hat er auch einen „normalen“ Film gedreht. Dennoch wirkt auch dieser wie ein Comic und zugleich scheint er auch von seiner Struktur her ein klassisches Musical zu sein, nur die typischen Produktionsnummern einer Revue sind durch hoch stilisierte Actionszenen ersetzt, wie man sie in comicbasierten Superheldenfilmen erwarten würde. Ein wenig Sin City schwingt mit, doch die Handlung haben Zack Snyder und Steve Shibuya zusammen ausgearbeitet, die reiche Erbin „Babydoll“ (Emily Browning) wird in den frühen 1960ern von ihrem Vormund in eine psychiatrische Einrichtung abgeschoben, wo sie Lobotomisiert[1] werden soll, und da Opfer einer derartigen Behandlung kaum noch widerstand zeigen, beziehungsweise sich nicht gerichtsfest Erinnern, kann man natürlich die ganze Einrichtung noch als Luxusbordell zweitverwenden. Ob sich nun unsere Heldin den ganzen Kampf gegen ihre Peiniger um den Pfleger Blue Jones (Oscar Isaac) sowie die Hilfe durch den Busfahrer (Scott Glenn)[2] und ihre Mitinsassen nur im Moment vor der Lobotomie einbildet, oder das ganze einschließlich der Lobotomie nur die Geschichte einer, die dem ganzen entkommen ist, darstellt, der Zwischenfall an der Eulenfluß-Brücke von Ambrose Bierce lässt grüßen. Es ist durchaus ein Interpretationsansatz, dass ihre Mitinsassen, die jeweils einzeln in den „Nummern“ im Mittelpunkt stehen, als verschiedene Facetten der Persönlichkeit des Opfers Babydoll zu sehen, womit der Film dann auch als Charakterentwicklung zu lesen wäre. 

Snyder unterstützt den Anklang an das Musical damit, dass der ganze Vorspann tatsächlich wie eine Tanznummer gefilmt und geschnitten ist[3], die Actionnummern sind mit lauter Rockmusik unterlegt die die psychischen Zustände der Protagonistin darstellen. 

Aus der Ursprünglichen Idee Snyders einer Art Alice im Wunderland mit Sturmgewehren wurde dieser Film, dem dann seitens der Zensur ein (Pun intended) Sucker Punch, ein unerwarteter heftiger Schlag, versetzt wurde. knapp bekleidete junge Frauen unter 18, das war der MPAA nur schwer zu verkaufen, und so kam ein nur um 19 Minuten geschnittene Version in die Kinos, eine längere Fassung ist nur auf Bluray erhältlich, und der Directors Cut ist auch 2023 noch nicht veröffentlicht. Vielleicht schließt sich dann auch der Spiegel, der ihn 2011 verrissen hat, der Meinung von Telepolis und FAZ an, denn der Film ist wirklich gut.

[1] Eine derartige Existenzielle Bedrohung des Seins steht ja auch in Einer flog über das Kuckucksnest im Mittelpunkt. 

[2] Scott Glenn wirkt hier fasst wie John Carradine 30 Jahre früher in den Roger Corman Filmen. 

[3] Ein wenig muß man an die Titelsequenz von Indiana Jones und der Tempel des Todes denken.

IMDB-Link: https://www.imdb.com/title/tt0978764/reference/

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